Dienstag, 24.01.2012
Schade ...
... dass das Semester schon endet. Auch, wenn ich alles andere als ein Frühaufsteher bin und Montag, 10 bis 14 Uhr mithin ganz sicher nicht meine Lieblingszeit zum Unterrichten an der Uni ist - die Studentinnen und Studenten in meinem Seminar "Mord zwischen Buchdeckeln" werde ich vermissen.
Montag, 23.01.2012
Schokowaffeln im Lesecafé
Spannung und die Kunst des Verbrechens sind ja gut und schön, aber auch vorlesende Autoren haben einen Körper und der freut sich, wenn man ihn Schokowaffeln füttert. Das kann ich jedenfalls nach meinem "Selbstversuch" bei meiner Doppellesung in der Molitoris-Schule im niedersächsischen Harsum definitiv bestätigen. Was es da sonst noch gab und welchen Unterschied es macht, in einer Schule statt auf "irgendeiner" Lesebühne zu lesen, darüber kann ich mir nun Gedanken machen.

Sonntag, 22.01.2012
Blutige Langeweile
Ach ja. Immer diese Serienkiller, die immer mehr Seiten zwischen immer mehr Buchdeckeln füllen. Und als ob die nicht schon allein nervtötend und unglaubwürdig genug wären, nein, es muss auch noch immer blutiger, ekliger, grausamer werden. So läuft's auch bei Blake Crouchs Debüt Desert Places, das ich nur aus zwei Gründen las:
Samstag, 21.01.2012
Auftragsarbeiten
Was ist wohl eine Deutsche Erstaufführung? Und was hat das mit Holger, Hanna und dem ganzen kranken Rest zu tun, eben Jan Demuths Stück, das gestern in der Casa des Essener Grillo-Theaters in der Inszenierung von Henner Kallmeyer Premiere hatte?
Donnerstag, 19.01.2012
Feuchtigkeiten
Kann sein, das Regenwetter ist schuld. Gut möglich auch, dass es einfach an der bevorstehenden Reise liegt - ob ich mich freue (wie auf den Besuch in Hannover) oder nicht, ob es um Urlaub oder Arbeit geht (wie die morgige Schullesung in Harsum) geht, bevor es losgeht, will ich alles, bloß nicht weg. Und manchmal ist mir dabei sogar zum Heulen zumute. Aber ich fürchte, diesmal ist ein Buch schuld: Markus Zusaks Die Bücherdiebin nämlich.
Samstag, 14.01.2012
Blaue Stunde
Das war bezaubernd, fast schon magisch: Jazz und interessante Gespräche (wann komm ich schon zu solchen theologischer Natur?) klingen noch im Ohr nach, als ich nach meiner Lesung aus dem Medienforum hinaustrete - mitten in die blaue Stunde, die Himmel und Erde stets neu verwandelt.
Donnerstag, 12.01.2012
Zu rüttenscheid
Ja, ich weiß auch, dass sich Rüttenscheid, der hippe Stadtteil Essens, groß (und größer) schreibt. Aber der dort so beliebte, pseudominimalistische Einrichtungsstil schreit nach einem handlichen Adjektiv: Schokobraun als Boden-, Wand- und Möbelfarbe schlechthin, alles ist eckig und grade, und garniert wird's geometrisch bis "fernöstlich", das kann es doch nicht gewesen sein. Schon gar nicht, wo ich beim Test einer mir bis dato unbekannten Physiotherapeutischen Praxis feststellen musste: Dieser vorgebliche Minimalismus, der gern mit Detailbesesseneinheit einhergeht, ist alles, bloß keine Beschränkung auf das Wesentliche.
Samstag, 31.12.2011
Zu guter Letzt
Ich halte nichts von guten Vorsätzen (eigentlich taugen die nur, um sich über die Merkwürdigkeit des Wortes Gedanken zu machen: wer setzt da wem was vor? Oder auch: Warum haben manche Sätze ein davor, während andere Nachsätze sind und dann P.S. geheißen werden?). Es reicht völlig, wenn ich immer mal wieder über meinen ollen Perfektionismus stolpere oder an meinen eigenen Ansprüchen zu scheitern drohe. Und doch gibt's da was, das ich zum Jahresende unbedingt an dieser Stelle loswerden möchte:

Mittwoch, 28.12.2011
Endlich ...!
Nach all den Kinder- und Jugendbücher, all der kriminalistischen Pflichtlektüre (okay, das war selbstgewählt, aber doch in Masse und Konsequenz überwältigend) des vergehenden Jahres 2011, jetzt endlich zum guten Schluss (oder doch fast) ein ganz anderes Buch - eines für Erwachsene, für Literaturmenschen und Sprachliebhaber, für gebildete, gern auch akademischer Leser und all das in wunderbarer, mal glasklarer, mal verspielter, englischer Prosa mit lyrischen wie philosophischen Einsprengseln: The Summer Without Men von Siri Hustvedt.
Montag, 12.12.2011
Lückenhaftes
Lückenhaft ist nicht nur dieses mein armes Blogg. Lückenhaft ist gelegentlich auch meine Erinnerung. Zum Beispiel an Thomas Manns Der Tod in Venedig - das ich meiner Mann-Abneigung zum Trotz kennen müsste, denn es war Thema eines Uniseminars zur Literaturverfilmung und ich erinner mich deutlich, dass ich beim Blick in die englischsprachige Ausgabe einer britischen Kommilitonin dachte "Heureka, sollte ich nochmal Mann lesen müssen, dann tu ich's in Englisch, das ist erträglicher!" Aber Sprachfragen hin, Zeit (online) her: Warum erinner ich mich nicht an den Inhalt?!
Donnerstag, 24.11.2011
Wiedereingewöhnung
Dienstag, 08.11.2011
Ein Monolog zu viel
Ich hoffe, die Mittheaterbesucherin, der ich mit diesem Titel die Kürzestkritik zur sonntäglichen Premiere im Essener Grillotheater verdanke, verzeiht es, dass ich damit nach dem Motto "Besser gut geklaut als schlecht selber gemacht" verfahre. Und genau damit, so fürchte ich, sind wir bereits bei einem der Probleme von Benefiz- Jeder rettet einen Afrikaner von Ingrid Lausund, das in Essen von Thomas Ladwig inszeniert wurde.
Dienstag, 01.11.2011
Great Voice, Bad Light
Schwer zu sagen, ob es das simultane Spiel von Flügel und Keyboard oder doch die Stimme ist, was Tori Amos' Einzigartigkeit ausmacht, zumal ihr musikalischer Stil an sich alles andere als gewöhnlich ist. Was ich bei allem Musikgenuss jedoch nicht beim gestrigen Konzert in der Essener Philharmonie gebraucht hätte, war das Kitschlicht.
Mittwoch, 26.10.2011
Herbstimpressionen

Montag, 24.10.2011
Dschungelfieber
Wolfsgeheul und Tigergebrüll, Panthergeschnurr, Affengekreisch und, genau: Bärengesang - na, klingelt's? Genau: All das gehört zu Rudyard Kiplings Dschungelbuch, jedenfalls spätestens dann, wenn's auf die Bühne kommt. Um so schöner, wenn es so poetisch verdichtet und klug auf den Punkt gebracht das Scheinwerferlicht der Theaterwelt erblickt wie am gestrigen Sonntag im Staatstheater Osnabrück. Und was ein Glück, dass ich trotz Bahngedöhns diese Inszenierung von Katja Lillih Leinenweber nicht verpasste!
Samstag, 22.10.2011
Revolution 3.0 oder Occupy Bredeney
Revolutionär - was ist das schon? Die ganze alte linke Garde von Marx über Mao bis Che und so weiter? Der Wutbürger von S 21? Und was war die RAF, welcher Generation auch immer? Elfriede Jelinek hat sich mit Ulrike Maria Stuart dem tödlichen Zickenkrieg - pardon: Königinnendrama - an der weiblichen Doppelspitze, also dem privat-politischen Machtkampf von Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof verschrieben. Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer begab sich mit seinem Team in die "Textwüste" der Literaturnobelpreisträgerin - und herauskam eine so bilderstarke wie wortgewaltige Premiere im Essen Grillo-Theater, eben ungemein sehenswertes Theater.
Donnerstag, 20.10.2011
Viel zu viel
Ob es um immer neue Rettungsschirme für den Euro geht, um Bankenrettungen oder irgendwelche Kommentare irgendwelcher sogenannter Wirtschaftswaisen - ich will's nicht mehr hören. Ist doch eh alles schneller überholt, überaltert, als unzureichend und/oder unzutreffend erwiesen, als es verbreitet, aufgenommen oder gar verstanden wird.
Samstag, 15.10.2011
Transluzent & Punktgenau
Was ist deutsch? Und was nicht? Keine Fragen, die mich an sich bewegen. Da geht's mir ähnlich wie Steff (Jannik Nowak) in Marianna Salzmanns Stück "Satt", das gestern in der Essener Casa seine zweite Premiere erlebte.
Montag, 03.10.2011
Spielraum für Einzeltäter
Raumbühne mit Rundumprojektion. Viereckig, quadratisch - logisch-mathematisch, wie man's gern dem Latein unterstellt? Spielraum ist es allemal, was Andreas Jander, Jana Findeklee und Joki Tewes für die Spielzeiteröffnung im Essener Grillo-Theater mit der in den Saal gerückten Bühne erschaffen. Schade nur, dass was von zwei Seiten vom Publikum zu betrachten ist, so einseitig in seiner Interpretation bleibt: Wieviel auch geschrieen, getobt, gerannt und gebloggt wird, am Ende ist und bleibt Thomas Krupas Coriolanus (Tom Gerber) ein Kriegsheld, ein dünkelhafter Haudegen, dessen Stolz man auch Sturheit und Vorurteil nennen könnte - und die andern, die Masse, ob nun Plebejer oder Patrizier, Volsker oder Coriolanus' Familie bleiben die Dummen.
Freitag, 30.09.2011
Spätnachlese
Kaum Zeit fürs Blogg trotz wenig Lesungen - okay, im Sommer ist das ja nicht gerade der Renner und wer hätte vorab wissen können, dass dieser Sommer über weite Strecken witterungsmäßig eher Leseherbstqualitäten haben würde? Dennoch könnte ich ja das eine oder andere Wort über die vergangenen Lesungen verlieren ...
Sonntag, 25.09.2011
Flucht aus Bremen
Okay, ich geb's ja zu, ich sollte mich früher mit dem "Kleingedruckten" befassen. Und geglegentlich wäre es angeraten, mir im Vorfeld eingehendere Gedanken dazu zu machen, was mir z.B. im Zusammenhang mit einer Veranstaltung gut tun würde. Doch so geplant bin ich leider nicht (immer). Wie gut, dass bei aller Unpünktlichkeit und anderem Unbill die Bahn doch eines hat: Nachtzüge kreuz und quer durchs Land.
Mittwoch, 21.09.2011
Spätsommertrip für Nordlichter
Ich weiß, ich weiß - seit Wochen gibt's kaum was von im Blogg zu lesen. Aber dafür können mich Kurzentschlossene am Freitag, um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek in Verden an der Aller lesen hören und zugleich einige meiner Bilder sehen.
Frauen im Spätsommer - Eine literarische Reise ans blutige Ende des Sommers habe ich dieses ganz besondere Programm mit Texten aus meiner und aus fremder Feder genannt und es sollte ganz sicher nicht nur für die weibliche Hälfte der Menschheit spannend sein.
Donnerstag, 01.09.2011
Beklemmende Logik
Wenn Sie beim Krimi nur interessiert, wer's war und bestenfalls noch auf die (Ermittlungs)Technik schauen, ist Der Kameramörder von Thomas Glavinic vermutlich nichts für sie. Aber wenn Sie von Kriminalliteratur mehr erwarten als spannende Unterhaltung und "er ist ein Soziopath/Psychopath/verrückt" nicht für eine sinnvolle Erklärung halten, sieht das schon anders aus. Meine Gedanken dazu sollten Sie allerdings nur lesen, wenn Sie die Frage nach dem Whodunnit garantiert nicht interessiert bzw. die Antwort nicht vom Roman abhält ...
Mittwoch, 31.08.2011
Und ewig nervt der Präsens ...
Wie ich es finden soll, dass für den Hans-Jörg-Martin-Preis 2012, in dessen Jury ich diesmal sitze, bislang noch nicht mal 20 Bücher eingereicht wurden, weiß ich nicht. Vielleicht kommt da noch mehr und dann sitze ich im Dezember da und kann nur noch lesen, lesen, lesen. Ich hoffe bloß, spätestens dann bleibe ich verschont von der grassierenden Unart, Romane sinnlos im Präsens zu schreiben ...
Samstag, 27.08.2011
Verlassenschaften
Montag, 08.08.2011
Familienbande III
Es liegt nicht zuletzt an familienbezogenen Ereignissen, dass ich derzeit das Blogg vernachlässige. In den letzten 15 Monaten ist mein mittelbares Familienumfeld zum Drehtür- bis Dauerhotel für schwere Krankheiten und, in diesem Jahr, nun zum wiederholten Mal auch für den Tod geworden. Das gehört zum Leben, ganz sicher. Und, um allen Missverständnissen vorzubeugen: Ich schreibe hier nicht über die oder gar den mir nahestehendsten Menschen. Dennoch bringt das so manche Planung durcheinander und raubt Zeit, Nerv, Energie und Muße für das Ungeplante, in dem ich sonst am besten und liebsten arbeite und lebe ...
Dienstag, 26.07.2011
Balkon der toten Helden
Der Ritt der Walküre dürfte eines der meist (an)gespielten, manche sagen: abgenutztesten, Musikstücke der westlichen Welt sein. Doch auch allzu bekanntes kann man aus neuer Perspektive hören und sehen - wie ich letzte Woche im dritten Balkon des Aalto-Theaters in Essen zusammen mit einer handvoll toter Helden erlebte.
Sonntag, 17.07.2011
Taschenspielertricks
Ich wollte es gar nicht glauben, als man mir erzählte, in der Essener Premiere von Corpus Delicti seien manche Zuschauer bereits in der Pause gegangen - aus Versehen, weil sie dachten, das Stück sei zuende, und nicht etwa aus Protest. Nun habe ich es endlich selbst gesehen und frage mich, ob das nicht das Beste ist, was man mit diesem Stück tun kann ...
Sonntag, 03.07.2011
Superheldenpanik
Also, Sie müssen jetzt wirklich nicht panisch zur nächsten Vorverkaufsstelle rasen, um sich superheldenhaft Tickets für Angstmän, das panische Kammerspiel für alle ab 8, zu besorgen. Diese Spielzeit wird das eh nichts mehr. Aber Sie sollten dringend drauf drängen, dass eine Warteliste für die Wiederaufnahmen in der nächsten Spielzeit eingeführt wird: Das Stück ist nämlich superheldenkomisch und panikstark. Bloß leider hat die Essener Box nur 61 Plätze, von denen aus man Angstmän (Jannik Nowak) und Pöbleman (Stefan Diekmann) zusehen kann, wie sie die Wohnung von Jennifer (Laura Kiehne) und ihrer mal wieder nächtlich arbeitenden Mutter verwüsten ...
Samstag, 02.07.2011
ImmerHin
Immerhin - Warum nich? sticht aus der Fülle der derzeit am Essener Grillo gebotenen Liederabende gleich zweifach hervor: Er wird dort gespielt, wo so ein Liederabend hingehört - im Cafe Central, also ganz nah am Publikum. Und er funktioniert musikalisch wie auch in jeder anderen Hinsicht. Jannik Nowaks "Tribut an Bodo Wartke" kann man also nur empfehlen: Immer hin!